Wenn ich auf Feiern erzähle, was ich beruflich mache, passiert immer dasselbe: Erst eine Pause. Dann die Frage: „Das gibt es als Beruf?“ Und etwa eine Stunde später steht derjenige mit seinem Handy neben mir und zeigt mir seinen Lebenslauf.
Ja, es gibt das als Beruf. Seit acht Jahren schreibe ich Bewerbungen für Menschen, die ihre eigenen nicht mehr sehen können – Berufseinsteiger, Fachkräfte, Führungskräfte. Weit über zweitausend Lebensläufe sind durch meine Hände gegangen.
Und wenn mich diese Arbeit eines gelehrt hat, dann das: Die Menschen, die zu mir kommen, sind fast nie das Problem. Ihre Unterlagen sind es. Dieselben drei Fehler, Woche für Woche, quer durch alle Branchen und Gehaltsklassen.
Ich zeige sie Ihnen – mit echten Beispielen.
Fehler 1: Sie beschreiben Zuständigkeiten statt Ergebnisse
Der häufigste Satz, den ich in Lebensläufen lese, beginnt mit „Zuständig für“. Zuständig für Kundenbetreuung. Zuständig für Projektkoordination. Zuständig für Qualitätssicherung.
Das Problem: „Zuständig für“ beschreibt eine Stellenanzeige, keinen Menschen. Es sagt nichts darüber, ob jemand seine Aufgabe gut, mittelmäßig oder gar nicht erfüllt hat. Der Personaler liest zwanzig Lebensläufe mit denselben Zuständigkeiten – und kann sie nicht unterscheiden.
So sieht die Korrektur aus, an einem Beispiel aus meiner Praxis:
Vorher
„Zuständig für die Betreuung von Bestandskunden im Außendienst“
Nachher
„Betreuung von 45 Bestandskunden mit 3,2 Mio. € Jahresumsatz – Kündigungsquote in zwei Jahren von 12 % auf 4 % gesenkt“
Derselbe Job. Derselbe Mensch. Aber nur eine der beiden Versionen bleibt im Kopf – und nur eine davon rechtfertigt ein besseres Gehalt.
Fehler 2: Eine Bewerbung für alle Stellen
Ich verstehe den Impuls: Eine gute Version erstellen und die dann überall einsetzen. Effizient wirkt das nur so lange, bis man versteht, wie die Gegenseite liest.
Ein Personaler – und zunehmend auch die Software vor ihm – gleicht Ihre Unterlagen mit einer konkreten Ausschreibung ab. Steht dort „Führungserfahrung im Vertriebsinnendienst“ und in Ihrem Lebenslauf „Teamleitung Sales Support“, dann sind Sie für den Menschen vielleicht noch ein Treffer – für den Algorithmus oft schon nicht mehr. Und für beide gilt: Je weiter oben die geforderten Begriffe in Ihren Unterlagen auftauchen, desto schneller entsteht der Eindruck: passt.
Die Einheitsbewerbung ist deshalb keine neutrale Lösung. Sie ist auf jede einzelne Stelle ein bisschen schlecht zugeschnitten – und konkurriert jedes Mal mit Kandidaten, deren Unterlagen exakt passen.
In meiner Praxis heißt das: Kein Dokument verlässt das Haus, bevor es nicht gegen die konkrete Zielstelle gelesen wurde. Reihenfolge, Gewichtung, Begriffe – alles richtet sich nach der Ausschreibung, nicht nach der Chronik.
Fehler 3: Die eigenen Stärken für selbstverständlich halten
Der dritte Fehler ist der tückischste, weil ihn niemand an sich selbst erkennen kann.
In fast jedem Erstgespräch gibt es diesen einen Moment. Ich frage nach – und mein Gegenüber erwähnt beiläufig etwas, das in keiner Version seiner Unterlagen steht. „Ach ja, ich habe damals nebenbei die Umstellung auf das neue ERP-System begleitet. Aber das war ja nicht meine eigentliche Aufgabe.“
Nicht die eigentliche Aufgabe. Aber exakt das Argument, das die Zielstelle verlangt.
Das ist keine Bescheidenheit und keine Dummheit. Es ist Betriebsblindheit in eigener Sache: Was man täglich tut, verliert im eigenen Kopf seinen Marktwert. Ich habe Geschäftsführer erlebt, die dreistellige Millionenbudgets verantwortet und es nicht in den Lebenslauf geschrieben haben – „das ergibt sich doch aus der Position“. Nein. Nichts ergibt sich von selbst. Was nicht dasteht, existiert für den Leser nicht.
Die Hälfte meiner Arbeit ist nicht Schreiben. Es ist Ausgraben: die Leistungen finden, die mein Kunde für Nebensächlichkeiten hält – und die in Wahrheit sein stärkstes Verkaufsargument sind.
Kann man das alles selbst? Ehrliche Antwort: teilweise.
Fehler eins und zwei können Sie mit Disziplin und Zeit selbst angehen – die Prinzipien stehen in diesem Artikel. Rechnen Sie mit einigen konzentrierten Abenden pro Bewerbung, wenn Sie es gründlich machen.
Beim dritten Fehler stößt Selbsthilfe an eine harte Grenze: Den eigenen blinden Fleck kann man nicht durch Anstrengung sehen. Dafür braucht es ein Gegenüber, das die richtigen Fragen stellt – und weiß, was auf dem Arbeitsmarkt gerade wertvoll ist.
Genau das ist der Kern unserer Arbeit bei bewerbung-schreiber.com: Im strukturierten Interview graben wir die Leistungen aus, die Sie selbst nie aufgeschrieben hätten. Danach erstellen wir Lebenslauf und Anschreiben komplett neu – ergebnisorientiert formuliert, auf Ihre Zielstelle zugeschnitten, frei von den drei Fehlern aus diesem Artikel.
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Fragen, die mir Leser am häufigsten stellen
„Kann ich diese drei Fehler nicht einfach selbst beheben, jetzt wo ich sie kenne?“
Fehler eins und zwei zum Teil, ja – und ich empfehle jedem, es zu versuchen. Beim dritten wird es schwer: Die eigenen Leistungen zu erkennen und richtig zu gewichten scheitert nicht am Wissen, sondern an der fehlenden Distanz. Das ist wie Rückenschwimmen nach YouTube-Anleitung – die Theorie ist einfach, die Ausführung ohne Blick von außen nicht.
„Wie läuft die Zusammenarbeit konkret ab?“
Am Anfang steht ein strukturiertes Interview zu Werdegang und Zielposition. Daraus erstelle ich – beziehungsweise das Team von bewerbung-schreiber.com – Lebenslauf und Anschreiben komplett neu. Sie geben Feedback, wir finalisieren. Ihr Aufwand: ein Gespräch und eine Korrekturschleife.
„Für welche Berufe und Ebenen funktioniert das?“
Vom Sachbearbeiter bis zur Geschäftsführung. Die Fehler, die ich im Artikel beschreibe, sind auf allen Ebenen dieselben – nur die Fallhöhe unterscheidet sich. Je höher die Position, desto teurer wird jeder dieser Fehler.
„Was ist mit dem Anschreiben – braucht man das überhaupt noch?“
Seltener als früher, aber wenn es verlangt wird, entscheidet es mit. Und dann gilt: Es darf den Lebenslauf nicht nacherzählen, sondern muss die eine Frage beantworten, die sich der Leser wirklich stellt – warum dieser Mensch für genau diese Stelle?
Ein letzter Gedanke. Die Menschen, deren Bewerbungen ich schreibe, sind nicht besser qualifiziert als Sie. Sie haben nur aufgehört, das wichtigste Verkaufsdokument ihrer Karriere als Nebentätigkeit zu behandeln.
Ihre Qualifikation haben Sie sich über Jahre erarbeitet. Die Frage ist, ob man ihr das ansieht – auf zwei Seiten Papier, in wenigen Sekunden Lesezeit.
Ihre Erfahrung verdient Unterlagen, die ihr gerecht werden
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Kommentare (3)
Sabrina T.
Der Punkt mit dem Nacherzählen im Anschreiben hat gesessen. Ich habe gerade mein eigenes Anschreiben geöffnet – es ist exakt die beschriebene Zusammenfassung des Lebenslaufs in Satzform.
Holger W.
Als jemand, der selbst Bewerbungen sichtet, kann ich jeden Punkt bestätigen. Vor allem Nummer eins: 'Zuständig für' sagt mir gar nichts. Ich will wissen, was dabei herausgekommen ist.
Redaktion karriere-check.net
Danke für die Bestätigung aus der Praxis, Holger – genau diese Doppelperspektive macht den Gastbeitrag für unsere Leser so wertvoll.
Nadine P.
Wie sieht es mit Zeugnissen und Zertifikaten aus? Dazu steht im Artikel nichts.
Redaktion karriere-check.net
Hallo Nadine, Anlagen sind ein eigenes Thema – die Kurzfassung des Autors: vollständig, aber kuratiert. Nur was für die Zielstelle relevant ist, gehört in die Mappe. Im Rahmen des Services wird auch die Anlagenauswahl mit beraten.
